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"Ich kann das nicht." – Ist dieser Gedanke wahr?

Eigentlich sind Gedanken harmlos. Erst wenn wir sie glauben, lösen sie Stress aus.

 

„Ich kann das nicht.“ Kennst du diesen Gedanken auch?

 

Ich habe diesen Gedanken erst neulich geglaubt: In Yoga – wir schwitzen schon fast eineinhalb Stunden. Ich fühle mich durchgedehnt, ausgepowert, leicht und glücklich. Und: Ich freue mich auf die Endentspannung. Dann, etwas Neues. Jelena, unsere Yoga-Lehrerin, leitet uns an, in die Brücke zu kommen. Sie legt sich auf den Rücken, drückt Füße und Hände auf den Boden und stemmt ihren Körper rücklings in die Höhe. Plötzlich ist er da, dieser Gedanke: „Ich kann das nicht.“ Und: Vorbei ist es mit meiner Leichtigkeit!

 

Aus Erfahrung weiß ich, dass es mir gut tut, Gedanken, die mich stressen zu untersuchen. Das mache ich mit „The Work of Byron Katie“, einer Methode, die aus 4 Fragen und Umkehrungen besteht.

 

Meine Überprüfung des Gedankens „Ich kann das nicht“, möchte ich gerne mit dir teilen. Doch vorab:

 

Wie geht man so eine Gedankenüberprüfung eigentlich an?

 

Ich hole mir die Szene vor mein inneres Auge. Jelena, unsere Yoga-Lehrerin, leitet uns an und stemmt sich in die Brücke. Das ist der Moment, in dem ich den Gedanken glaube: „Ich kann das nicht.“

 

Und jetzt geht’s los. Ich stelle mir die 4 Fragen:

 

1. IST DAS WAHR? „Ich kann das nicht.“

 

Ich schließe die Augen und spüre in mich hinein. Ich sehe die Situation klar vor mir. Jelena stemmt sich in die Brücke. In diesem Moment glaube ich den Gedanken: „Ich kann das nicht.“ IST DIESER GEDANKE WAHR? Meine Antwort ist „Ja“.

 

2. KANN ICH MIT ABSOLUTER SICHERHEIT WISSEN, DASS DAS WAHR IST? „Ich kann das nicht.“

 

Wieder spüre ich in mich hinein und warte, was in mir auftaucht. Es taucht ein „Nein“ auf. „Nein“, ich kann nicht mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist.

 

3. WIE REAGIERE ICH, WAS PASSIERT, WENN ICH DEN GEDANKEN GLAUBE „Ich kann das nicht“?

 

Wieder bleibe ich in der Situation verankert. Ich versetze mich genau in den Moment, in dem Jelena sich in die Brücke stemmt. Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich den Gedanken glaube, dass ich das nicht kann?

 

Ich spüre Frust. Ich spüre einen Druck auf meiner Brust. Meine Augenbrauen ziehen sich zusammen. Mein Gesicht wird starr und steif. Mein Nacken wird hart, ich ziehe die Schultern hoch. Ich spüre auch Angst. Ich habe Angst, die einzige zu sein, die diese Übung nicht kann. Ich habe Angst mich zu blamieren. Ich schaue zu meinen Nachbarinnen und bin erleichtert. Sie scheinen auch Zweifel zu haben. Die Erleichterung beruhigt mich nur kurz. Am liebsten würde ich mich aus der Stunde beamen und erst wieder zur Endentspannung zurück sein.

 

Tauchen Gedanken aus der Zukunft oder der Vergangenheit auf, wenn ich den Gedanken glaube?

 

Es tauchen Bilder aus der Zukunft auf. Ich sehe mich auf dem Rücken liegen, unfähig mich rücklings hochzustemmen. Ich sehe, wie ich bei einem Versuch gleich wieder auf den Boden zurückklatsche.

 

Wie lebe ich mein Leben, wenn ich den Gedanken glaube, dass ich das nicht kann?

 

Mut- und freudlos, im Widerstand, verschlossen. Ich bin nicht bereit, mich auf etwas Neues einzulassen. Ich nehme mir regelrecht die Chance auf eine neue Erfahrung. Ich merke auch, wie ich die Yogastunde zu unsicherem Terrain erkläre. Wer weiß, welche Übungen unserer Yoga-Lehrerin noch einfallen? Ich nehme mir also auch die Freude an dem, was mir bisher so viel Freude bereitet: Die Yogastunde zu besuchen.

 

4. WER WÄRE ICH OHNE DEN GEDANKEN „Ich kann das nicht“?

 

Wieder gehe ich gedanklich in die Situation. Wer wäre ich in diesem Moment ohne den Gedanken, dass ich das nicht kann? Ich schließe die Augen und spüre in mich hinein.

 

Ohne den Gedanken ist sofort ein Staunen in mir. Unglaublich, wie Jelena das mit so einer Leichtigkeit schafft! In meiner Brust fühlt es sich weich an und kribbelig. Ich spüre Vorfreude und eine leichte Ungeduld. Ich möchte das auch können, ich möchte das unbedingt ausprobieren. – Ich bin total bei mir. Das fühlt sich frei an und freundlich.

 

Und jetzt kommen die Umkehrungen:

 

Bei den Umkehrungen geht es darum, den Blickwinkel zu ändern. Für jede Umkehrung finde ich mindestens drei Beispiele, die in dieser Situation auch wahr oder wahrer sind als der Ursprungsgedanke: „Ich kann das nicht.“

 

1. Umkehrung: „Ich kann das.“

Das kann genauso wahr sein. Schließlich konnte ich die Brücke als Kind und auch als Jugendliche. Mein Körper kennt diese Übung also schon.

Ich bin körperlich gesund.

Ich gehe regelmäßig in Yoga und mache auch zuhause meine Übungen. Ich bin schon viel gelenkiger, als ich es noch vor Monaten war.

Ich habe bisher auch alle anderen Übungen geschafft, die Jelena für uns zusammengestellt hat.

Ich kann mich ja auch sonst in alle möglichen Richtungen strecken, bücken und biegen.

Meine Oberarme sind so kräftig, dass ich Liegestützen schaffe. Es liegt also nahe, dass ich mich auch rücklings in die Brücke hochstemmen kann.

Tatsächlich war es ja dann auch kurz darauf so, dass ich es probiert habe und es konnte.

 

2. Umkehrung: „In meinem Denken kann ich das nicht.“

Das ist sehr wahr. Mein Denken kann sich nicht vorstellen, dass ich mich rücklings hochstemmen kann.

In meinen Gedanken gehe ich in die Zukunft und erzähle mir Horrorgeschichten, dass ich es nicht schaffe und mich blamiere. Diese Horrorgeschichten finden NUR in meinem Denken statt.

Mein Denken kann auch nicht begreifen, wie Jelena das mit so einer Leichtigkeit schafft. Noch weniger kann es sich vorstellen, dass ich es schaffe.

 

Übrigens: Das Foto entstand einige Wochen nach meiner ersten Brücke. Ich mache die Übung mittlerweile sehr gerne und ich spüre wie gut sie mir tut. Und was ich auch spüre: „Ich kann das!“

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