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Nicht-Bekommen rockt. Nach den Tränen ...

Es war vor vielen Monden als die Alltagsheldin in die S-Bahn stieg - tief geknickt, traurig und verwirrt. Hätte ihr innerer Anteil, der für geistige Gesundheit und einen klaren Verstand zuständig ist, laut schreien können, hätte er in das volle Zugabteil gebrüllt: "Ist unter den Anwesenden ein Coach, ein Lebens- und Sozialberater, vielleicht eine Therapeutin? DIE FRAU BRAUCHT HILFEEEE!!!" Bei DIE hätte er mit ausgestrecktem Finger auf die Alltagsheldin gezeigt und ihre Verzweiflung hätte sich in seinem verzogenen Gesicht widergespiegelt. Da ihr innerer Anteil allerdings nicht schreien konnte, eilte weder ein Coach noch eine Therapeutin herbei und so setzte sich die Alltagsheldin mit all ihrer Verwirrung und Traurigkeit auf einen freien Platz am Fenster. Sie stöpselte sich die Ohren mit Kopfhörern zu, spielte auf ihrem Handy ihre Lieblingsplaylist ab und spürte wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Das war aber auch echt allerhand. So sehr hatte sie sich genau das gewünscht, von dem sie eben erfahren hatte, dass sie es nicht bekommen würde. So sehr hatte sie gespürt, dass das, was sie haben wollte, genau das Richtige für sie war. Wie konnte es denn nun sein, dass jetzt alles anders gekommen war? Die Gedanken kreisten in ihrem Kopf, die Tränen in ihren Augen und Josh Groban hallte in ihren Ohren. Aus. Das konnte so nicht weitergehen. Zuhause sollte abgeheult werden. Nicht hier. Und diese Musik trug absolut nicht dazu bei, dass die Tränen in den Augen bleiben wollten. Das brauchte sie jetzt echt nicht. Also zückte die Alltagsheldin ihr Handy und tippte in der Playlist auf Nena. "Wunder gescheh'n". Das konnte sie jetzt echt gut gebrauchen. Ein Wunder. - Nena trällerte los und die Alltagsheldin atmete in ihrem Jammer tief durch. Jop. So ein Wunder. Das wär's jetzt. Echt. - Und während sie so in ihrer Verwirrung und Traurigkeit das Wunder-Lied hörte, stutzte sie. Warum zum Geier schaute sie der junge Bursch, der gerade zugestiegen war so seltsam an? Hochgezogene Brauen, gekräuselte Nase, Unverständnis in den Pupillen. Hatte sie einen Popel an der Nase hängen? - Nö. Der wäre unter der FFP2-Maske nicht zu sehen gewesen. Komisch. Und während sie dem Burschen so nachblickte, wie er sich mit seinem Unverständnis im Blick den Gang entlanghantelte - in diesem Moment nahm sie sie wahr. Die Töne, die NICHT aus den Kopfhörern ihrer zugestöpselten Ohren klangen. "Wunder geschehn, ich hab's gesehn. Es gibt so vieles, das wir nicht verstehen. Wunder geschehn ..." schallte es aus dem Handy der Alltagsheldin durch das gesamte Zugabteil. Wui, da wurde es der Alltagsheldin mit einem Mal sehr warm unter ihrer Maske und so schnell sie konnte, versuchte sie das blöde Handy-Dings lautlos zu bekommen. Ist ja auch mega-unangenehm. Was für ein Glück, dass die Menschen hier um sie herum so friedliebend waren. "Geht das schon lange so?", stammelte sie peinlich berührt. "Ach, erst seit ca. 2 Minuten", meinte die Frau mit den lachenden Augen, vis á vis von ihr. "Und", setzte die Frau rasch nach, als sie den erschrockenen Blick der Alltagsheldin auffing, "es war ja auch eigentlich ganz schön." Bffffff. Aja. Naja. - Huch. Das Handy war endlich wieder lautlos. Die Alltagsheldin sank erleichtert in ihren Sitz. Noch bevor sie wieder zur Gänze in ihrer Verzweiflung angekommen war, trudelte die Nachricht einer lieben Freundin ein. Die Alltagsheldin schluckte. "Immer wenn ich in meinem Leben etwas nicht bekommen habe, was ich mir zuvor so gewünscht habe", hatte ihre Freundin mit ganz viel Liebe zwischen den Zeilen geschrieben, "hat es sich im Nachhinein als wahrer Segen erwiesen - nach den Tränen." Nach den Tränen ... Segen. Hm. Aja. Die Alltagsheldin las die Worte ihrer Freundin wieder und wieder. Und dann - bei einem dieses wieder und wieder Lesens breitete es sich langsam aus unter der Traurigkeit und der Enttäuschung. Ganz klein und zart und doch spürbar. Dieses tiefe Bewusstsein, dass alles gut war, so wie es war. Es gab JETZT nichts zu tun für sie. Sie würde den Segen erkennen, der hinter diesem Nicht-Bekommen lag. Und dieses Erkennen musste ja noch nicht jetzt sein. Es reichte ja auch morgen oder übermorgen. - Jop. Wunder geschehen und der Segen würde sich zeigen. Jetzt war es erst mal Zeit für die Tränen.

 

PS.: Würdest du die Alltagsheldin heute fragen, ob sie traurig darüber ist, dass sie damals nicht bekommen hat, was sie sich so sehr gewünscht hat, würde sie mit großen Augen den Kopf schütteln und mit einem breiten Lächeln sagen: "Nein! Was für ein Segen, dass das Leben damals so freundlich zu mir gewesen ist." - Den Segen erkannte die Alltagsheldin damals übrigens schneller als erwartet - noch am selben Abend. Nach ein paar Tränen, einem guten Gespräch mit einer Freundin und ein paar untersuchten Glaubenssätzen, die ihr während des Gesprächs bewusst geworden waren. (Es waren hartnäckige, kleine Kerlchen, die die Alltagsheldin zuvor als Fakten wahrgenommen hatte.) Und schon bald darauf durfte sich dann auch das Wunder zeigen. Doch das ist eine andere Geschichte.

 

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