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Auftritt: Das Loch im Boden, bitte. Schnell!

Es war einmal eine kleine Alltagsheldin. In ihrem Zimmer lag hier ein Häufchen Wäsche auf dem Boden und dort ein Häufchen. Die kleine Alltagsheldin störten diese Häufchen nicht. Sie war sehr im Frieden mit den schmutzigen Söckchen, die da unter T-Shirts und Hosen hervorlugten. Wem diese Wäschehäufchen ein Dorn im Auge waren, das war die große Alltagsheldin. Die große Alltagsheldin beäugte die Häufchen der kleinen Alltagsheldin mit großem Widerwillen. "Warum schmeißt du immer deine Wäsche auf den Boden?", fragte sie mit grantiger Stimme. Und "Ist es so schwer, seine Schmutzwäsche in den Wäscheschacht zu werfen?!" Die kleine Alltagsheldin atmete immer schwer, wenn die große Alltagsheldin so mit ihr sprach. Manchmal fügte sie sich und tat, was die große Alltagsheldin von ihr verlangte. Manchmal sagte sie: "Ich mach es später." Und bevor dieses "später" eintrat, machte es dann die große Alltagsheldin wieder mal selbst. Und während sie mal wieder so ein Wäschehäufchen vom Boden des Zimmers der kleinen Alltagsheldin in den Wäscheschacht verfrachtete, fragte sie sich: "Wo mache ich das? Wo schmeiße ich meine Kleidung achtlos auf den Boden, wie die kleine Alltagsheldin das tut? Ich mache so etwas doch nicht! Das gibt es doch nicht?!" Der großen Alltagsheldin war nämlich sehr bewusst, dass alles, was sie bei anderen störte, mit ihr zu tun hatte. Dass sie oft genau dieses Verhalten an den Tag legte, ohne es selbst zu merken. Und so nahm sie diese Frage mit in ihren Tag ohne zu ahnen, dass sie ihre Antwort schon eher bekommen sollte, als ihr lieb war. - Der Frühling hatte bereits die ersten Knospen sprießen lassen, die Sonne kitzelte auf der Nasenspitze und die große Alltagsheldin beschloss sich neu einzukleiden. Neue Hosen sollten her. Farbenfroh und leicht, wie der Frühling. Also begab sich die große Alltagsheldin in den Laden ihres Vertrauens, streifte zwischen Ständern umher und freute sich mit den grünen, rosa, gelben und blauen Hosen, die sie fand. Emsig probierte sie in der Kabine eine Hose nach der anderen an und freute sich. Als sie wieder mit einer frisch anprobierten Hose aus der Kabine trat, um sich im großen Spiegel zu betrachten, stand hinter ihr eine Verkäuferin. Die Verkäuferin wirkte zerknirscht. Bestimmt an die drei mal, setzte sie an, etwas zu sagen und tat es doch nicht. Die große Alltagsheldin schaute sie fragend an. Schließlich fasste sich die Verkäuferin ein Herz und deutete auf die Kabine der Alltagsheldin, die offen stand. "Würden Sie bitte die Sachen nicht auf den Boden werfen?", sagte die Verkäuferin peinlich berührt in freundlichem Ton. BAMM! In diesem Moment sah es die große Alltagsheldin. Und wie sie es sah! Blaue, gelbe und grüne Hosenbeine, links und rechts gedreht, ein Blüschen drüber und drunter. Auf dem Boden ihrer Kabine lagen bestimmt drei Hosen und ein, zwei Blüschen lagen dort auch. Ziemlich zermuddelt sah das alles aus. "Ja, klar!", sagte die große Alltagsheldin rasch und spürte, wie ihre Wangen ganz heiß wurden. Wo zum Teufel war noch mal schnell das Loch im Boden, in dem sie auf der Stelle versinken konnte? "Aber die unterste Hose, die grüne dort, die kauf ich eh", fügte sie noch schnell hinzu, um noch zu retten, was schon verloren war. Die freundliche Verkäuferin nickte nur. Und die große Alltagsheldin schluckte. Autsch. War das peinlich! - Als die Alltagsheldin wieder zuhause war, fiel ihrer Familie auf, dass sie ziemlich ruhig und in sich gekehrt war. Die Familie der Alltagsheldin - besonders die kleine Alltagsheldin - amüsierte die Geschichte der großen Alltagsheldin sehr, als sie sie endlich erzählte. Nur eines behielt die große Alltagsheldin vorerst für sich. Die Sache mit der grünen Hose. Die hatte sie nämlich still und heimlich wieder an den Ständer zurück gehängt. So schön, war die nämlich gar nicht. Und sich als unachtsam zu outen UND als Schwindlerin, das fand die Alltagsheldin, war dann doch zu viel des Guten für einen einzelnen Tag.

 

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